Pre­cisi­on Far­ming bei der Getrei­de­ern­te – Ern­ten mit­tels Satel­li­ten­bil­der

Beim Pre­cisi­on Far­ming erfolgt die Bewirt­schaf­tung teil­flä­chen­spe­zi­fisch mit­tels Sen­so­ren und Satel­li­ten. Dabei wer­den bei­spiels­wei­se Boden­un­gleich­hei­ten oder auch Unter­schie­de in der Ertrags­fä­hig­keit eines Schla­ges berück­sich­tigt und kön­nen etwa in einer digi­ta­len Acker­schlag­kar­tei ver­wal­tet wer­den. Dies ermög­licht eine geziel­te Aus­saat, Dün­gung, Pflan­zen­schutz­be­hand­lung sowie Ern­te und kann den Res­sour­cen­ein­satz sen­ken. Ins­ge­samt kann Pre­cisi­on Far­ming in nahe­zu allen Betriebs­be­rei­chen ein­ge­setzt wer­den:

  • Betriebs­ma­nage­ment (Betriebs­füh­rung und Qua­li­täts­ma­nage­ment)
  • Bestands­ma­nage­ment (Aus­saat, Dün­gung, Pflan­zen­schutz, Ern­te)
  • Maschi­nen­ma­nage­ment (Stand­ort­über­wa­chung, Maschi­nen­über­wa­chung und ‑steue­rung, Rou­ten­pla­nung)
  • Arbeits­ma­nage­ment (auto­ma­ti­sche Len­kung, bemann­te und unbe­mann­te Füh­rungs- und Satel­li­ten­fahr­zeu­ge)

Bei der Getrei­de­ern­te kann mit Pre­cisi­on Far­ming die Qua­li­täts­dif­fe­ren­zie­rung bereits auf dem Acker begin­nen. Auf die­se Wei­se kön­nen schwie­ri­ge­re Trenn­vor­gän­ge in der Nach­ern­te­tech­no­lo­gie ver­min­dert wer­den. Mög­lich ist dies bei­spiels­wei­se mit einer Teil­flä­chen­ern­te nach Feuch­te­ge­halt mit­tels Schlag­dif­fe­ren­zie­rung aus Test­fahr­ten oder Ertrags­kar­tie­run­gen aus ver­gan­ge­nen Jah­ren. Eine wei­te­re Mög­lich­keit bie­tet eine nach Inhalts­stof­fen der Ern­te­früch­te teil­flä­chen­ori­en­tier­te Dif­fe­ren­zie­rung. Die­se könn­te anhand einer Auf­tei­lung von Sam­mel­be­häl­tern oder dem Aus­spa­ren qua­li­ta­tiv gering­er­wer­ti­ger Ern­te­teil­flä­chen erfol­gen.

Satel­li­ten­bil­der als Grund­la­ge für Ern­te­ent­schei­dun­gen

Eine Qua­li­täts­dif­fe­ren­zie­rung auf dem Acker kann durch eine Begut­ach­tung der Vege­ta­ti­on mit­tels Satel­li­ten über­prüft wer­den. In dem Euro­päi­schen Coper­ni­cus Pro­gramm befin­den sich unter­schied­li­che Mess­sta­tio­nen (am Boden, im Was­ser und in der Luft) und Satel­li­ten. Die­se erfas­sen fort­wäh­rend Daten zum Zustand der Erde, die für Kli­ma­stu­di­en, Wet­ter­vor­her­sa­gen, Wind­kraft­kar­ten oder Ern­te­sta­tis­ti­ken auf­be­rei­tet wer­den. Die Satel­li­ten und Instru­men­te wer­den dabei von der Euro­päi­schen Welt­raum­or­ga­ni­sa­ti­on ESA ent­wi­ckelt. Der ers­te Satel­lit, Sen­ti­nel-1A wur­de 2014 gestar­tet. Aktu­ell besteht die Sen­ti­nel-Satel­li­ten­fa­mi­lie aus sechs unter­schied­li­chen Mis­sio­nen: Sentinel‑1, ‑2, ‑3, ‑5P und ‑6, plus Sentinel‑4 und ‑5, die als Mess­in­stru­men­te auf meteo­ro­lo­gi­schen Satel­li­ten mit­flie­gen.

Bei den Sen­ti­nel-2-Satel­li­ten han­delt es sich um opti­sche Satel­li­ten, die 2015 (Sen­ti­nel-2A) und 2017 (Sen­ti­nel-2B) gestar­tet wur­den. Alle der 13 Kanä­le sind für die Beob­ach­tung von Land­ober­flä­chen und Vege­ta­tio­nen opti­miert. Die Auf­nah­men sind im sicht­ba­ren und infra­ro­ten Spek­trum zwi­schen 443 und 2190 nm. Die hohe Auf­lö­sung (von 10, 20 und 60 m) sowie eine Abtast­brei­te von 290 km las­sen die Vege­ta­ti­on sehr gut erken­nen. So ist es mög­lich, Wachs­tum von Wild- und Nutz­pflan­zen zu beob­ach­ten, Ern­te­vor­her­sa­gen abzu­schät­zen und Wald­be­stän­de zu kar­tie­ren. Der Bio­mas­se­auf­wuchs kann somit über­prüft und mit­tels der räum­li­chen Auf­lö­sung der Ernäh­rungs­zu­stand der Nutz­pflan­zen abge­schätzt wer­den. Die Roh­da­ten der Satel­li­ten sind jedoch zunächst kaum nutz­bar. Die­se müs­sen auf­be­rei­tet wer­den – bei­spiels­wei­se in Form von Appli­ka­ti­ons­kar­ten. Zum Teil wer­den die Satel­li­ten­da­ten mit wei­te­ren Daten wie Tem­pe­ra­tur­da­ten oder älte­ren Satel­li­ten­da­ten ver­rech­net. So kann zum Bei­spiel die Appli­ka­ti­ons­kar­te um zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen, wie ein­ge­setz­te Dün­ge­mit­tel, ergänzt oder die Ern­te­rei­fe dar­ge­stellt wer­den.

erntereifer Weizen

Bild von Man­fred Rich­ter auf Pixabay

Getrei­de­ern­te opti­mie­ren mit Rei­festaf­fe­lung und Dru­scheig­nung

Heu­te fährt der Dre­scher bei der Getrei­de­ern­te erst auf den Acker, wenn das Getrei­de tro­cken ist. Bei der Hand­ern­te war dies noch anders. Das Getrei­de wur­de zwi­schen­ge­la­gert, bevor es in der Dresch­ma­schi­ne ver­ar­bei­tet wur­de. So konn­te das Stroh in die­ser Zeit nach­rei­fen, der Feuch­te­ge­halt im Korn wur­de mini­miert und der Spel­zen­schluss locker­te sich, so dass die Kör­ner aus den Ähren leich­ter gelöst wer­den konn­ten. Mit der Tech­ni­sie­rung und der Nut­zung von Mäh­dre­schern ist die Dru­scheig­nung auf dem Feld zuneh­mend rele­van­ter. Spe­zi­ell sind hier der Feuch­te­ge­halt von Stroh und Korn, die Korn­ab­schnei­dung sowie das Ver­hält­nis von Stroh­mas­se zu Bio­mas­se ent­schei­dend. Die Dru­scheig­nung ist eher ein unter­ge­ord­ne­tes Ziel in der Getrei­de­züch­tung. In der Pra­xis ist bei der Sor­ten­wahl aus­schlag­ge­bend, dass die Sor­ten ver­lust­sta­bil bezüg­lich Knickäh­ren, Aus­fall und Fall­zah­len sind, eine gute Ent­kör­nung, Ent­spel­zung und Ent­gran­nung im Dresch­werk auf­wei­sen und das Korn und Stroh mög­lichst zeit­gleich ern­te­reif sind. Wei­ter soll­ten die Sor­ten stand­fest sein, ein gutes Aus­lö­se­ver­mö­gen haben, ein gutes Abschnei­de­ver­mö­gen haben sowie bruch­korn­sta­bil sein Dabei sind die Stroh­feuch­te und die Stroh­zä­hig­keit für die Mäh­dre­scher­leis­tung und den Drusch­ver­lust am bedeu­tends­ten.

Am Ende sind dann häu­fig alle Fel­der gleich­zei­tig reif. Dies kann zu einem Pro­blem wer­den. Idea­ler­wei­se soll­ten die Ern­te­zeit­punk­te bereits mit der Bestel­lung der Fel­der geplant wer­den. So kön­nen die Ern­te­zeit­räu­me durch eine Rei­festaf­fe­lung aus­ge­dehnt wer­den. Mit der Sor­ten- und Stand­ort­wahl (hete­ro­ge­ne Ver­tei­lung frü­her und spä­ter Sor­ten auf tro­cke­nen und feuch­ten Stand­or­ten) sowie je nach Wit­te­rung unter­schied­li­cher Aus­saat­zei­ten, kann das Ern­te­zeit­fens­ter erwei­tert wer­den. Die­se Pla­nung ist sehr kom­plex und bedarf einem hohen acker­bau­li­chen Ver­ständ­nis. Doch mit­un­ter kön­nen ungüns­ti­ge Wet­ter­be­din­gun­gen in der Ern­te­sai­son die­se Plä­ne durch­kreu­zen. Letzt­end­lich muss die Dru­scheig­nung auf dem Feld erfasst wer­den, um eine opti­ma­le Mäh­dre­scher­ein­stel­lung und Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on zu wäh­len. Hän­disch wird die Dru­scheig­nung mit der Stroh­ver­dreh­pro­be getes­tet, bei der ein Bün­del Stroh vom Feld ent­nom­men wird. Durch Ver­win­den des Strohs mit bei­den Hän­den kann die Zähig­keit und Feuch­tig­keit geschätzt wer­den. Zudem wer­den aus unter­schied­li­chen Bestan­des­hö­hen eini­ge Ähren ent­nom­men und Kör­ner aus­ge­rie­ben. Dies lässt Rück­schlüs­se auf die Fes­tig­keit des Spel­zen­schlus­ses zu. Zusätz­lich wird die Bruch­emp­find­lich­keit der Kör­ner begut­ach­tet. Kom­bi­niert kön­nen dar­aus Rück­schlüs­se auf die Rei­fe­stu­fe des Getrei­des gezo­gen wer­den.

Getrei­de­ern­te mit 365FarmNet

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Mit CLAAS Crop View kön­nen Vege­ta­ti­ons­un­ter­schie­de auf den ange­leg­ten Schlä­gen ermit­telt und Poten­ti­al- bzw. Appli­ka­ti­ons­kar­ten erstellt wer­den.

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Mit LACOS Fahr­spur­pla­nung die opti­ma­len Rou­ten für Ihre Schlä­ge anle­gen – auch ohne auto­ma­ti­sches Lenk­sys­tem.

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Acti­veDoc zählt zum 365Active Sys­tem. Mit dem Acti­veDoc kön­nen alle Arbeits­vor­gän­ge erfasst und ana­ly­siert wer­den, von der Boden­be­ar­bei­tung bis zur Ern­te, unab­hän­gig von den ange­bau­ten Feld­früch­ten.

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meteo­blue Wet­ter Pro­fi lie­fert orts- und stun­den­ge­naue Wet­ter­pro­gno­sen und Nie­der­schlags­men­gen. Dabei kön­nen meh­re­re Wet­ter­stand­or­te ent­spre­chend der Schlag­ver­tei­lung ver­wal­tet wer­den.

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Kos­ten­los regis­trie­ren

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